Minh-Thuong in Australien

Work & Travel (Erlebnis) in Australien

Für jemanden, der noch nie im Leben alleine im Ausland gereist ist, war die Entscheidung, ein Work & Travel Auslandsaufenthalt zu machen, wohlmöglich die riskanteste, die ich je getroffen habe. Da ich weder Familie in Australien habe noch mit einer Freundin zusammen geflogen bin, entschied ich mich also dazu, mithilfe einer Organisation meine Reise zu starten. Rückblickend bin ich rundum zufrieden mit diesem Schritt, denn ich hatte nicht nur eine tolle, erste Woche in Sydney, sondern konnte Freundschaften schließen, mit denen ich noch bis heute in Kontakt stehe. Dinge, wie einen Bankaccount errichten, die richtige Simkarte finden oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen, wurden so viel einfacher und hätten wahrscheinlich viel länger gedauert, wäre ich auf mich allein gestellt gewesen. Auch den Start in die Arbeitswelt habe ich die Partnerorganisation von into zu verdanken. Die ersten zwei bis drei Wochen verbrachte ich damit, Bewerbungen zu schreiben, was mir dank der freundlichen Hilfe der Partnerorganisation sehr leicht viel. Doch je länger ich in Sydney blieb, desto mehr erkannte ich, dass ich mehr als nur das Großstadtleben erleben wollte. Ich wagte noch einen riskanten Schritt und nahm ein Jobangebot in Westmar, Queensland an.

Westmar hat eine gefühlte Population von 80 Leuten und befindet sich mitten im australischen Countryside, fast Outback. Mir gefiel das ländliche Leben der Australier so gut, dass ich dort 6 Monate blieb. Neben der Arbeit im Roadhouse und Pub, versuchte ich mich auch an Farmarbeit. Man kann wohl sagen, ich hatte meinen Platz gefunden – zwischen Feldern, Kängurus, Emus und anderen wilden Tieren. Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, vielleicht sogar zu eintönig und langweilig für Viele. Aber für mich war es genau das Richtige: authentisches, rohes Australien. Hier ist es normal, dass „Nachbarn“ 20 Kilometer entfernt wohnen und dass der „schnelle“ Einkauf in der Stadt eine Stunde Fahrt bedeutet. Keiner zuckt hier mit der Wimper, wenn man „mal wieder“ einer Schlange über den Weg läuft oder nachts einem ein Känguru vor das Auto springt. Kein Empfang, oder tagelange Blackouts? Nichts Neues. Shooting und Pigging gehören hier zur Freizeitbeschäftigung der jungen Leute – eine Erfahrung, die ich auch mitmachen durfte und die einen ganz schönen Eindruck hinterlassen hat...

Nachdem ich genug Geld gespart hatte, verließ ich das ländliche Australien und begab mich quasi wieder zurück in die Zivilisation – was eine ziemliche Umstellung war nach 6 Monaten im Feld, puh. Ich nahm den Flug nach Cairns und traf mich mit zwei Freundinnen, um mein hart erarbeitetes Geld wieder auszugeben. Skydiving oder Schnorcheln im Great Barrier Reef – tolle Erlebnisse, welche nicht umsonst so heiß begehrt sind. Wir kauften uns ein Auto und fuhren damit die Ostküste runter. Whitsundays, Fraser Island, Gold Coast, Byron Bay und noch vieles mehr waren alles Ziele auf unserer Reise, welche unvergesslich waren. Allerdings war das Reisen mit dem Auto wahrscheinlich das Beste, was wir machen konnten. Es war natürlich riskant und es war teilweise sehr anstrengend, zu dritt in einem Auto zu schlafen (vor allem gegen Ende unserer Reise, wo es Winter wurde), doch wir sparten immens viel Geld und hatten so viel Freiheit, welche wir nicht gehabt hätten, wären wir mit dem Bus gereist. Geheime Wasserfälle durch Tipps von den Locals waren leicht und flexibel zu erreichen, genauso wie es aufregend war, mitten im Nichts unterm freien Himmel zu zelten.

Alles in einem war das Work & Travel Jahr in Australien die beste Entscheidung, die ich getroffen habe und ich kann nur jedem empfehlen, es zu versuchen. Alle guten und schlechten Erfahrungen möchte ich nicht mehr missen. Traut euch!