Natalie in Mampong

Freiwilligenarbeit an einer Grundschule in Ghana

Als ich mich bei into fuer Freiwilligenarbeit in Ghana anmeldete, war mir bewusst, dass ich mich auf ein Abenteuer einlasse. Trotzdem haette ich nicht erwartet, wie schnell man sich in einer voellig anderen Kultur einlebt und wie sehr man sich als Person veraendert. Niemals haette ich gedacht, dass ich mit 50 Kindern, die kaum Englisch sprechen, produktiv arbeiten oder schaerfer essen kann als all meine deutschen Freunde.

Ich war fuer drei Monate als Lehrerin an einer Grundschule in Mampong. Meistens habe ich Englisch und Naturwissenschaften unterrichtet oder den Lehrern beim Korrigieren geholfen. Meine ghanaeischen Kollegen und Kolleginnen waren hilfsbereit und freundlich. Auch neuen Ideen (z.B. Eine andere Sitzordnung, extra Hausaufgaben statt Schlaege) standen sie nicht ablehnend gegenueber. Als sich herausstellte, dass die Kinder unbedingt Franzoesisch lernen wollen, gaben eine andere Freiwillige und ich Franzoesischunterricht.

Ausserdem machten wir mit allen Klassen Sport, was die Schueler geliebt haben. Natuerlich gab es manchmal auf beiden Seiten Frustration, aber die Sprachbarriere und fehlende Mittel kann man mit Kreativitaet und einer positiven Einstellung meist ueberwinden. Solange man Initative zeigt und sich bemueht, macht das Unterrichten wirklich Spass und die Kinder profitieren sehr davon. Hin und wieder habe ich ein paar anderen Freiwilligen im Waisenhaus geholfen. Die Kinder dort sind unheimlich suess und geniessen die Aufmerksamkeit, die sie von uns bekamen.

An den Wochenenden bin ich fast immer mit anderen Freiwilligen herum gereist. Obwohl Ghana kein riesiges oder touristisch sehr ausgebautes Land ist, gibt es viel Sehenswertes: Mole National Park, die Sklavenburgen in Capecoast, den Regenwald, schoene Straende und in den Grossstaedten Accra, Kumasi oder Tamale ist immer etwas los. Da nur wenige Ghanaer ein Auto besitzen, kommt man ueberall mit Bussen, Taxen oder Trotros (schrottige Kleinbusse) gut hin. Allerdings muss man sich durch fragen, da es keinen Zeit- oder Streckenplan gibt. Reisen in Ghana ist unglaublich preiswert, also auch fuer Frewillige erschwinglich.

Aber auch ein Wochenende mit meiner Gastfamilie war nie langweilig. Meine drei Gastgeschwister waren sehr verspielt (manchmal ein wenig anstrengend) und man konnte tolle Gespraeche mit meinen Gasteltern fuehren. Ausserdem wohnte eine Kanadierin bei der selben Familie wie ich und wir wurden schnell gute Freunde. Nach kurzer Zeit habe ich mich bei ihnen sehr wohl gefuehlt und ich wurde behandelt wie ein Teil der Familie, nicht nur wie ein Gast. Ich bin ein paar mal mit in den Gottesdienst oder auf den Markt gegangen, was wirklich ein (lautes) Erlebnis war. Trotzdem hatte ich genug Zeit fuer meine Freunde und mich selbst, da mir meine Familie genug Freiraum ließ.

Das Essen bei meiner Gastfamilie war lecker, auch wenn ich mich zuerst noch daran gewoehnen musste. Die ghanaeische Kueche ist vielfaltig und vor allem sehr scharf. Man isst mit den Fingern oder einem Loeffel, aber niemals mit der linken Hand, da sie als schmutzig gilt. Das Nationalgericht Fufu ist ein pampiger Kloss aus verschiedenen Wurzeln und wird in Fisch oder Erdnusssuppe serviert. Ansonsten wird viel Reis und Gemuese gegessen, am liebsten mit viel Sosse. Manche bekommen am Anfang Verdauungsproblem, aber das legt sich meist schnell. Zur Not bekommt man in groesseren oder touristischen Staedten auch internationales Essen und in den Gastfamilien werden die Wuensche beruecksichtigt.

Obwohl einige Auslaender in Ghana wohnen, muss man sich an "Obroni" (so werden Weisse auf Twi genannt) und neugierige Blicke gewoehnen. Auch der Dreck und die ghanaeische Definition von Puenktlichkeit sind gewoehnungs-beduerftig. Die Einheimischen sind sehr herzlich und helfen oder erklaeren Fremden immer gerne alles moegliche. Die meisten sprechen mehr oder weniger gutes Englisch, manchmal muss man sich eben mit Zeichensprache verstaendigen oder versuchen ein wenig die einheimische Sprache zu lernen. Falls jemand etwas zu aufdringlich wird, ist man mit selbstbestimmten Auftreten und ein paar guten Ausreden (mein Handy funktioniert hier nicht/ ich muss ganz schnell nach hause/ ich bin schon verheiratet usw.) in Sicherheit.

Ich wuerde das Freiwilligenprogramm in Ghana auf jeden fall weiter empfehlen, da es einfach ein unvergessliches Erlebnis ist und man ganz neue Seiten an sich selbst entdeckt. Ich bin nun weitaus geduldiger und flexibler als vorher. Mich kann ein Ort ohne fliessend Wasser und Strom nicht mehr abschrecken, geschweige denn ein paar Kommunikationsprobleme. Beide Seiten profitieren von so einem Aufenthalt, da man neben seinem Projekt auch seine Gastfamilie und die ghanaeische Wirtschaft unterstuetzt.