Anneke bei Santiago de Chile

Freiwilligenarbeit in einem Nationalpark

Für genau 12 Wochen hatte ich die Gelegenheit, Chile und seine Bewohner ein bisschen besser kennenzulernen, indem ich in einem Nationalpark 40 min. von Santiago entfernt, als Freiwillige arbeitete. Das Naturschutzgebiet liegt nordöstlich von der Hauptstadt in den Bergen. Die Leute besuchen hauptsächlich den Park, um ein Picknick zu machen, um zu Campen oder zu Wandern.

Nach meiner Ankunft wurde ich gleich herzlich empfangen und mir wurde schon ein wenig von dem Parkgelände gezeigt. Am nächsten Tag ging die richtige Arbeit dann los. In der Woche war alles ein wenig entspannter, da weniger Besucher kamen. Normalerweise waren wir dann 3-4 Parkranger, wobei die anderen zumeist Praktikanten von einer Universität oder weitere Volontäre waren. Am Wochenende waren wir dann 6-8 Leute, da der Park gerade bei gutem Wetter komplett voll wurde.

Jeden Tag konnten wir bis 8 Uhr schlafen und öffneten eine halbe Stunde später den Park. Wenn es nötig war, haben wir dann das Haus ein wenig aufgeräumt. Ansonsten mussten die Besucher registriert und der Eintritt kassiert werden. Zu meinen Aufgaben gehörte auch, die Karte des Parks zu erklären und per Telefon Informationen zu geben. Am Anfang war dies etwas ungewohnt. Ich hatte zwar 7 Jahre Spanischunterricht, aber es ist doch etwas anderes, jeden Tag Spanisch zu sprechen, gerade weil die Chilenen ihre eigenen Wörter haben und sehr schnell reden. Nach ein wenig Eingewöhnungszeit konnte ich die Fragen am Telefon dann aber fast ohne Probleme beantworten. Des Weiteren mussten wir Parkranger dafür sorgen, dass der Campingbereich sauber bleibt. Das heißt, wir sollten die Bäder putzen, die Mülltonnen leeren, Flaschen recyceln und Zäune anstreichen. Abends wurden die Leute dann wieder ausgecheckt, um zu kontrollieren, ob alle den Park verlassen haben. Das Ein- und Auschecken hat mir persönlich am meisten Spaß gemacht, da man so auch mit den Besuchern noch ein wenig reden konnte. Einige Besucher hatten auch deutsche Vorfahren oder waren selber Deutsche, die ausgewandert sind.

Gekocht wurde immer abwechselnd. Meistens gab es entweder Reis oder Nudeln. Ich hatte aber auch Gelegenheit, einige chilenische Gerichte wie Empanadas de pino, Sopaipillas oder ein typisches Asado und Getränke wie Mate zu probieren.

Alle 9 Tage hatte ich für 5 Tage frei. Für diese Zeit mietete ich mir meist ein Hostelzimmer in Santiago und erkundete die Stadt oder traf mich mit anderen aus dem Park, die auch gerade frei hatten. Die Küstenstädte Valparaíso und Viña del Mar sind zwei Stunden entfernt, perfekt also für einen Tagesausflug oder sogar einige Tage Urlaub. In meiner letzten freien Woche bin ich dann noch für drei Nächte nach Valdivia weiter in den Süden gefahren. Mit dem Bus braucht man 11 Stunden von Santiago aus. Meiner Meinung nach lohnt sich das aber, da ich noch mal eine komplett andere Seite von Chile sehen konnte.

Das Highlight für mich war jedoch die Wanderung zum Gletscher La Paloma, der sich im Park befindet. In Europa bin ich eher weniger gewandert und nie so viel. Man kann die Wanderung nicht innerhalb eines Tages machen, also haben wir auf halbem Weg gezeltet. Auf dem 17km langen Weg hatte man zudem die Gelegenheit, mehrere indigene Stätten zu sehen, die tausende von Jahren alt sind.

Der Abschied fiel mir sehr schwer. Drei Monate vergehen schneller, als man denkt, und um noch mehr von dem vielfältigen Land zu sehen, muss ich auf jeden Fall noch mal wiederkommen. Ich habe unglaublich nette Leute kennengelernt und es keine Sekunde bereut, diese Reise gemacht zu haben. Ein weiterer Pluspunkt war, dass sich mein Spanisch definitiv verbessert hat!