Nadja in Benin

Freiwilligenarbeit in einem Waisenhaus

Benin ist ein in Deutschland eher unbekanntes, kleines Land an der Westküste Afrikas. Und obwohl ich vorher viele Menschen getroffen habe, die mich fragten, warum ich ausgerechnet dorthin wolle, habe ich nicht bereut diese Reise angetreten zu haben. Ganz im Gegenteil.

Ich war in der Regenzeit und über die gesamten beninischen Ferien dort. Das heißt, es war nicht so heiß wie erwartet (mit Ausnahme der ersten Woche, in der man sich erst mal an das Klima gewöhnen muss) und die Kinder der Großfamilie, in der ich untergebracht war, hatten viel Zeit für mich und waren jederzeit bereit etwas mit mir zu spielen. Dafür wurde ich allerdings auch nicht in einer Schule, sondern in einem Waisenhaus eingesetzt.

Ich habe bei einer Safari mitgemacht, die von der beninischen Partnerorganisation geplant wurde, und habe dabei mehrere andere Freiwillige getroffen, die ebenfalls in Waisenhäusern in anderen Städten gearbeitet haben. Dabei wurde schnell klar, dass die Waisenhäuser, so wie auch die beninischen Städte, sich ziemlich voneinander unterscheiden. Ich war in Allada eingesetzt. Um 8 Uhr morgens fing die Arbeit an. Zuerst sollten wir den Babybrei in die Flaschen füllen und den zehn 1-2jährigen zu Essen geben. Danach hatten wir 3 Zimmer zu wischen und manchmal noch ein wenig Wäsche aufzuhängen. Danach hatte man rein theoretisch Zeit mit den Kindern zu spielen. Jedoch stellt sich das Spielen mit rund 20 Kindern recht kompliziert dar, wenn von 3 bis 10 alle Altersklassen vertreten sind. Außerdem muss man bedenken, dass die Kinder sonst gewohnt sind geschlagen zu werden, wenn die Regeln nicht beachtet werden, und dementsprechend aktiv reagieren, wenn sie merken, dass sie mit keinen Konsequenzen zu rechnen haben. Als Tipp würde ich Seifenblasen oder Luftballons (für jedes Kind einen) empfehlen. Was man aber natürlich nicht jeden Tag machen kann. Ansonsten hat Singen eigentlich immer funktioniert. Also wer Lust hat sich vorher ein bisschen vorzubereiten, lernt französische Kinderlieder.

Von 12 bis 15 Uhr war Mittagspause. In dieser habe ich nach dem Mittagessen meist mit den Kindern in meiner Gastfamilie UNO -welches ich mitgebracht habe- gespielt. Ein offener Mensch, der gerne andere Menschen einer anderen Kultur und Mentalität kennenlernt, ist in Benin auf jeden Fall richtig. Die Offenheit und Freundlichkeit der Beniner ist Einladung zum Gespräch und selbst Menschen wie ich, die normalerweise nicht viel reden, können mit wenig Aufwand auf ihre Kosten kommen. Denn die meisten Beniner sind sehr offen und unglaublich hilfsbereit aber nicht aufdringlich. Und auch wenn die Verständigung am Anfang vielleicht schwierig ist, ist es umso angenehmer, wenn man den beninischen, auflockernden Humor verstanden hat. Die Lebensweise und die Bräuche der Familie kennenzulernen und die Mentalität sowie die Menschen an sich näher kennenzulernen war eine wirkliche Bereicherung und kann mir auch hier in Deutschland nur nützlich sein. Ich habe von den Beninern viel gelernt - ob Gutes oder Schlechtes - was mir auch einen ganz neuen Blick auf meine Lebensweise und - einstellung gegeben hat. Aber solche Erfahrungen wird jeder anders aufnehmen und für sich anders verstehen, was diese Reise nur noch interessanter macht.

Um 15 Uhr sollten wir dann wieder im Waisenhaus sein, obwohl die Kinder und Frauen, die dort gearbeitet haben, Siesta gemacht haben. Das heißt bis 17 Uhr saß man rum und hat alternativ auch mal Wäsche gefaltet. Am Ende des Arbeitstages haben wir den Babys nochmal den Brei gemacht und durften nach Hause gehen, bevor es dunkel wird, wo man den Abend in der Gastfamilie verbracht hat. Dort kann man sich zeigen lassen, wie die Hausarbeit in Benin abläuft und mit welchen Werkzeugen hier wie gearbeitet wird. Die Neugier lohnt sich.

Am Wochenende ist Zeit Benin zu besichtigen. Ob man nun in die verschiedenen Städte fährt, sich in Cotonou oder Ouidah an den Strand setzt oder einen Einheimischen trifft, der einen zum Beispiel in ein kleines Dorf mitnimmt. Es lohnt sich auf jeden Fall einen Blick in das Innere des Landes zu werfen. Die Vielfältigkeit ist atemberaubend und je näher man hinsieht, desto mehr Einzigartigkeiten fallen einem auf, die Benin zu einem schönen sowie spannenden Land machen. Zum Reisen kann ich nur empfehlen sich entweder einen Reiseführer zu besorgen oder zumindest eine Landkarte mit den größeren Städten mitzunehmen.

Ich habe jetzt nur über den Tagesablauf geschrieben und es gäbe noch tausend weitere Dinge und Erlebnisse, die ich berichten könnte. Sie würden jedoch den Rahmen dieser Internetseite sprengen und ich wüsste gar nicht wo ich anfangen sollte zu erzählen. Ich kann nur sagen, dass es an einem selbst liegt, was man aus diesem Abenteuer macht und es dort ganz anders sein wird, wie man es sich vorher vorgestellt hat. Die einzige Möglichkeit herauszufinden, ob es einem gefällt, ist, die Reise anzutreten :-)